Difunta Correa - Argentiniens Heilige

Viele Argentinier glauben an die Difunta Correa und ihre Wunderkraft. Nach der Legende ist die die Difunta Correa eine Frau gewesen, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts auszog, um ihren Mann aus dem Heer des berüchtigten Facundo Quiroga zu befreien, das im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier gekämpft hatte. Sie hatte jedoch bald kein Wasser und Proviant mehr und stürzte in der Wüste mit ihrem Kind nieder. Gauchos fanden sie tot in Vallecito, einem kleinen Tal in der Nähe von San Juan. Doch ihr Kind lebte und trank Milch aus ihrer Brust. Die Gauchos errichteten ihr einen Altar in Vallecito und verehrten die Difunta und baten sie um Hilfe. Und die Hilfe kam auch und kommt auch heute noch - so glauben viele Argentinier und bringen der Difunta ihre Gaben. Es gibt 17 Kapellen in Vallecito, in denen Gläubige ihre Geschenke ablegen. So etwa die Kapelle der Schulkinder, die Kapelle der Bräute oder die Kapelle der Lastwagenfahrer.

Die Difunta Correa ist in Argentinien eine Heilige des Volkes. Die Kirche hat sie nicht anerkannt, bekämpft den von ihr so genannten "Aberglauben". Und auch der argentinische Staat unterstützt den Glauben an die Wundertätigkeit nicht. Das hindert aber die Menschen nicht, zu Tausenden zu ihr zu pilgern, zu ihrem Altar in der Wüste. Allein am Osterwochenende sieht Vallecito mehr als 200.000 Pilger. Fernfahrer etwa, treffen sich am Ostersamstag in San Juan und legen die restlichen Kilometer in einer Fahrzeugkollone zurück.

Und was gibt man der Difunta Correa? Ein Brautkleid, wenn man sich einen Mann wünscht, Schulbücher, wenn man sich einen guten Schulabschluss wünscht, Nummernschilder und Dankesplaketten, wenn man sicher an sein Reiseziel kommen will. Und Fernfahrer legen an unterschiedlichen Stellen ihrer Routen, besonders auf den Passstrassen (ist das nicht ein fantastisches Wort der neuen deutschen Rechtschreibung?) nach Chile, Wasserflaschen aus: damit kein Reisender wie die Difunta verdurstet. Man findet überall an den Straßenrändern kleine Gedenkstätten mit Bildern der Difunta Correa - und die Wasserflaschen.

San Juan hat ein Museum mit Kuriositäten, die Gläubige der Difunta Correa dargegeben haben. Herauszuheben sind etwa ein BMW, dessen Besitzer beim Fischen ins Wasser fiel, oder Boxhandschuhe von Nicolino Locche, der sich nach einer Herz-OP bei der Difunta bedankte. Aber auch Toilettenpapier wurde gewidmet: angeblich 7200 Rollen, die im Nebenraum des Museums lagern sollen.

Aber auch dem Pilgertourismus wird in San Juan Genüge getan. So gibte es Restaurants, Souvenirläden mit Difunta-Kalendern, Difunta-Aufklebern, Difunta-Schlüsselanhängern oder Difunta-Kerzen.

Bis 1940 bestand das Grab der Difunta Correa nur aus einem einfachem Kreuz auf einem Hügel. Danach entstand ein Dorf mit Tankstelle, Schule, Postamt, Kirche und Polizeistation.

Difunta heißt wörtlich übersetzt "erloschen" und Correa ist der Familienname. Nimmt man es genau, so ist die Difunta Correa weniger eine Heilige, sondern mehr eine Seele, eine Verstorbene, die Wunder bewirkt und Fürsprache für die Menschen hält, die sie um Hilfe bitten.